[VORSCHAU]
Rassismus ist eine traurige, zutiefst dehumanisierende und allgegenwärtige Realität für Betroffene in unserer Gesellschaft – und daher auch in Kitas und in der pädagogischen Praxis.
BIPoC-pädagogische Fachkräfte erleben Abwertung, Disqualifizierung, Ausgrenzung und Entmündigung. Darüber offen zu sprechen ist jedoch häufig ein Tabu. Mit diesem Infobrief möchten wir Sensibilität für das Thema schaffen und Kitaleitungen, Fachberater*innen, Trägervertreter*innen auf ihre Verantwortung aufmerksam machen, durch Enttabuisierung und aktives Engagement eine inklusive, vielfältige und antirassistische Praxis zu gestalten, die nicht nur Kinder, sondern auch BIPoC-Fachkräfte schützt.
Es ist erfreulich zu beobachten, dass trotz oder gerade wegen gemachter Rassismuserfahrungen immer mehr Menschen mit BIPoC-Hintergrund Ausbildungen oder Studiengänge im elementarpädagogischen Bereich absolvieren. In den Kitas wird dadurch auch das pädagogische Personal zunehmend diverser. Neben der wachsenden Zahl der BIPoC-Kinder und -Familien bringt auch die steigende Zahl der BIPoC-Pädagog* innen rassistische Strukturen, Glaubenssätze, Vorurteile, Handlungen usw. ans Tageslicht, die tief in der pädagogischen Praxis und in den Institutionen verankert sind.
In der Kitalandschaft in Deutschland wird zunehmend, wenn auch noch nicht ausreichend, die Problematik von Rassismus thematisiert. Dabei werden einzelne Bereiche wie die Interaktion mit Kindern, die Lernumgebung mit Kinderbüchern oder Kinderliedern etc. genauer unter die Lupe genommen. Ein kontroverses Thema ist beispielsweise die Reproduktion kolonialistischer Sichtweisen in Karnevalskostümen. Diese Entwicklung ist positiv zu bewerten, da sie dem Schutz der Kinder vor Stigmatisierung und Diskriminierung dient. Gleichzeitig wird durch die Thematisierung von Rassismus in Materialien oder Sprache deutlich, dass rassistische Strukturen tief in der Gesellschaft und damit auch in den Kitas verwurzelt sind.
BIPoC-Pädagog*innen erleben häufig Rassismus am Arbeitsplatz, insbesondere wenn sie die Einzigen in ihrer Position und im Team sind. Auch wenn hierzu noch zu wenig geforscht wurde, geht dies aus den Schilderungen von BIPoC-Fachkräften in Beratungsgesprächen, Fortbildungen und EmpowermentVeranstaltungen deutlich hervor. …